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„Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen!”

Interview mit Steffen Stark vom Staatlichen Schulamt Frankfurt am Main

Steffen Stark ist Ansprechperson für berufliche Orientierung am staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main. Er hat uns unter anderem erklärt, was es mit der hessenweiten Strategie OloV auf sich hat, welche Projekte sich bewährt haben und wie wichtig Eltern im Berufswahlprozess sind.

Einstieg: Herr Stark, können Sie uns kurz schildern, welche Rolle Sie im Staatlichen Schulamt Frankfurt am Main im Bereich Berufsorientierung einnehmen? 

Steffen Stark: Ich bin im Rahmen einer Abordnung an das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen als APBO (Ansprechperson für Berufliche Orientierung) am Staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main tätig. Dabei gehört es unter anderem zu meinen Aufgaben, den Schulen regional bedeutsame Informationen rund die die berufliche Orientierung zugänglich zu machen. Ebenso unterstütze ich die Schulkoordinatorinnen und -koordinatoren bei der Weiterentwicklung der schulinternen Curricula und organisiere Dienstversammlungen, in deren Rahmen Informationen ausgetauscht und Gäste, unter anderem von den Kammern und aus Betrieben, eingeladen werden. Hinzu kommt die Arbeit in verschiedenen Gremien: Ich bin Mitglied der OloV-Steuerungsgruppe, in der sich die OloV-Akteure in regelmäßigen Sitzungen über den Umsetzungsstand der regionalen Strategie besprechen und das weitere Vorgehen planen. Außerdem bin ich Mitglied im IHK-Messebeirat, der die Berufsmesse Einstieg begleitet. Insgesamt sind meine Aufgaben sehr vielfältig und spannend, insbesondere, da sie so viele Bereiche abdecken. 

Einstieg: OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“. Können Sie uns kurz erklären, was genau hinter dieser hessenweiten Strategie steckt und welche Ziele sie verfolgt? 

Steffen Stark: Die Ziele der hessischen OloV-Strategie sind die Schaffung und Stärkung regionaler Strukturen und Netzwerke, die Jugendliche bestmöglich beim Übergang in die Berufswelt unterstützen. Es geht darum, die Zusammenarbeit und Vernetzung von verschiedenen Akteuren zu optimieren, die Vermittlung in Ausbildung zu beschleunigen und die Transparenz der Angebote zu erhöhen, um etwaige Doppelstrukturen zu vermeiden. Oberstes Ziel der OloV-Strategie ist es ganz klar Schülerinnen und Schüler im Übergang von Schule zum Beruf zu unterstützen und zu begleiten. Die Olov-Strategie setzt bewusst lokal an, um die regionalen Strukturen angemessen nutzen zu können: Sie wird in allen 28 Hessischen Regionen umgesetzt, darunter neben Frankfurt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, dem Vogelsbergkreis oder in Fulda, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Zusammensetzung der OloV-Akteure ist von Region zu Region unterschiedlich, bedingt durch regionale Strukturen und Bedürfnisse. 

Oberstes Ziel der OloV-Strategie ist ganz klar: Schülerinnen und Schüler im Übergang von Schule zum Beruf zu unterstützen und zu begleiten.

Steffen Stark, Staatliches Schulamt Frankfurt am Main

Einstieg: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Lehrkräfte beim Thema Berufsorientierung? 

Steffen Stark: Aktuell stehen Lehrkräfte bei der Berufsorientierung aus meiner Sicht vor einer Vielzahl an diversen Herausforderungen. Dazu zählen beispielsweise die stetig wachsende Komplexität der Arbeitswelt, aber auch die Schwierigkeit, die individuellen Bedürfnisse und überfachlichen Kompetenzen der heterogenen Schülerschaft in angemessener Weise zu berücksichtigen. Oftmals spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle, insbesondere, wenn man jede Schülerin und jeden Schüler individuell unterstützen möchte. Eine weitere Herausforderung können hierbei auch die Eltern sein, wenn deren Berufswünsche eben nicht vom Kind gewollt oder erreicht werden können. Heutzutage ist es schwierig, Schülerinnen und Schüler für eine Ausbildung zu begeistern. In vielen Fällen muss es das Abitur oder das Studium sein. Hier wünsche ich mir, dass bald ein Umdenken erfolgt und eine Ausbildung denselben Stellenwert wie das Abitur oder das Studium erlangt. Auf jeden Fall kann man aber sagen, dass Lehrkräfte mit all den Herausforderungen nicht allein gelassen werden. Neben den verschiedenen außerschulischen OloV-Akteuren leisten hier die APBO an den Staatlichen Schulämtern wertvolle Unterstützungsarbeit. 

Einstieg: Gibt es Unterschiede zwischen Haupt- und Realschulen, wenn es um die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler geht? 

Steffen Stark: Ja, die gibt es. Schülerinnen und Schüler von Hauptschulen bzw. aus Hauptschulzweigen müssen oft enger begleitet und geführt werden, weil die Unterstützung von zu Hause oftmals nur begrenzt ist. Auch fehlt den Schülerinnen und Schülern aus dem Bildungsgang in der Regel ein gesundes Selbstbewusstsein. Das ist mitunter der Tatsache geschuldet, dass ein Hauptschulabschluss in unserer Gesellschaft – wohlgemerkt völlig zu Unrecht – keinen so hohen Stellenwert mehr hat. 

Einstieg: Welche konkreten Maßnahmen oder Projekte haben sich in Frankfurt besonders bewährt? 

Steffen Stark: Der Mix aus regionalen und überregionalen Berufs- und Ausbildungsmessen, die Teilnahme an den hessenweiten Praktikumstagen, aber auch die enge Abstimmung, Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen OloV-Akteuren. Die Praktikumswochen bzw. der Praktikumstag sind ein schönes Beispiel dafür. Ebenso sehe ich einen starken gemeinsamen Fokus auf der Arbeit mit Eltern von Abgangsschülern, aber auch im Übergang zur weiterführenden Schule. Bewährt haben sich auch eine Vielzahl systematischer flächendeckender Angebote an Schulen, wie beispielsweise die Jugendhilfe, das Frankfurter Ausbildungsprojekt oder die Berufswegeplanung. Flankiert werden all diese Maßnahmen durch den vorbildlichen Einsatz des Berufswahlpasses. Dieser begleitet und dokumentiert die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler und wird nun sukzessive durch die neue Berufswahlapp abgelöst, die ein modernes, zeitgemäßes Instrument im Rahmen der Beruflichen Orientierung ist sowie durch die ebenfalls verbindlichen Kompetenzfeststellungsmaßnahmen wie beispielsweise KomPO7. 

Einstieg: Wie wichtig sind Kooperationspartner wie Unternehmen, Kammern oder die Agentur für Arbeit für die Umsetzung?  

Steffen Stark: Alle beteiligten Akteure sind unverzichtbar, denn die hessenweiten OloV-Strategie zeichnet sich insbesondere durch das Zusammenspiel und die Vernetzung aller Beteiligten aus. Alle OloV-Akteure bringen ihre individuelle Expertise ein und tragen somit zum Gelingen bei.

Einstieg: Wie binden Sie Eltern in den Prozess ein – und welche Rolle spielen sie aus Ihrer Sicht? 

Steffen Stark: Elternarbeit spielt im Rahmen der beruflichen Orientierung eine enorm große und wichtige Rolle. Oftmals sind es die Eltern, die noch vor den Lehrerinnen und Lehrern den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben und ihnen als Ratgeber zur Verfügung stehen. Daher ist es wichtig, dass Schulen und Eltern eng zusammenarbeiten. Elternabende zur beruflichen Orientierung sind ein großes Thema. Aber auch die Bundesagentur für Arbeit spielt eine wichtige Rolle, indem sie Eltern informiert. Infoveranstaltungen weiterer BO-Akteure, gezielt für Eltern, runden diese Angebote ab. So können Eltern ihre Kinder frühzeitig unterstützen und bei der Berufsfindung begleiten – im besten Fall, ohne die eigenen Berufsvorstellungen auf die Kinder zu übertragen. 

Für Frankfurt speziell bietet die gjb, Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e.V., in Kooperation mit dem Verein Eltern für Schule die Veranstaltungsreihe Was soll mein Kind mal werden? an. Und auch die Beruflichen Schulen sowie die Wirtschaftsverbände bieten gezielte Informationsveranstaltungen für Eltern an. Gerade weil die berufliche Orientierung sehr dynamisch ist, ist es besonders wichtig, Eltern über die jeweils aktuelle Lage zu informieren. 

Im Rahmen der beruflichen Orientierung ist eine enge Zusammenarbeit von Schulen und Eltern enorm wichtig. Denn oftmals sind es die Eltern, die noch vor den Lehrerinnen und Lehrern den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben und ihnen als Ratgeber zur Verfügung stehen.

Steffen Stark, Staatliches Schulamt Frankfurt am Main

Einstieg: Was raten Sie Lehrkräften, die vielleicht noch am Anfang stehen und das Thema Berufsorientierung stärker an ihrer Schule verankern möchten? 

Steffen Stark: Zunächst kann ich Lehrkräfte generell nur dazu ermutigen sich diesem wichtigen Thema anzunehmen und diejenigen beglückwünschen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Berufsorientierung ist ein breites Feld und es empfiehlt sich im Team zu arbeiten – das schafft Entlastung. Je mehr Lehrkräfte in die berufliche Orientierung involviert sind, desto höher sind die Erfolgschancen. Im Rahmen der OloV-Strategie benennen die Schulen einen Schulkoordinator. Dieser ist dann an der Schule die Ansprechperson vor Ort und gleichzeitig das Bindeglied zwischen der Schule und den APBO an den staatlichen Schulämtern und dadurch zu weiteren OloV-Akteuren. Die Schulkoordination ist außerdem für die Steuerung der fächerübergreifenden beruflichen Orientierung der Schule zuständig. 

 Einstieg: Wo finden Lehrkräfte Unterstützung, wenn sie selbst nicht genau wissen, wie sie die Berufsorientierung umsetzen können? 

Steffen Stark: Genau hier kommen meine Kolleginnen und Kollegen und ich ins Spiel. Als Ansprechpersonen für berufliche Orientierung an den Staatlichen Schulämtern in Hessen fungieren wir als Bindeglied zwischen den Schulen und den diversen OloV-Akteuren. Aber auch die Bundesagentur für Arbeit, die IHK und die HWK, um nur einige Beispiele zu nennen, bieten hier großartige Unterstützung an. 

Einstieg: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Berufsorientierung in Hessen? 

Steffen Stark: Die Verordnung für berufliche Orientierung an Schulen bietet eine hervorragende Grundlage für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Sie ist derzeit in der Novellierungsphase, was deutlich zeigt, dass der Bereich einer ständigen Dynamik unterliegt und immer wieder an gesellschaftliche und schulische Bedürfnisse angepasst wird. Für die Berufsorientierung in Hessen wünsche ich mir, dass sie insgesamt noch mehr in den Fokus rückt. Schule leistet hier bereits einen wichtigen Beitrag, aber auch Eltern und Unternehmen müssen mitziehen. Der Prozess der beruflichen Orientierung kann nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und dasselbe Ziel verfolgen, nämlich Jugendliche auf dem Weg der Berufswahl und begleiten und zu unterstützen.

Einstieg: Welche Botschaft möchten Sie anderen Lehrkräften mitgeben, die dieses Interview lesen? 

Steffen Stark: Sie als Lehrkraft leisten einen wichtigen Beitrag im Rahmen der beruflichen Orientierung, der nicht zu unterschätzen ist. Begleiten Sie ihre Schülerinnen und Schüler im Prozess der Berufsfindung und nutzen Sie dabei die Möglichkeiten, die es in Ihrer Region gibt und seien Sie dabei kein Einzelkämpfer. Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Arbeit viel Erfolg und Freude und kann Ihnen aus eigener Erfahrung nur sagen: Es lohnt sich! 

Berufliche Orientierung kann nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und dasselbe Ziel verfolgen, nämlich Jugendliche auf dem Weg der Berufswahl zu begleiten und zu unterstützen.

Steffen Stark, Staatliches Schulamt Frankfurt am Main

Was ist die OloV?

"OloV" steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“. 
Die hessenweite Strategie sorgt dafür, dass Jugendliche am Übergang in Ausbildung besser begleitet werden – und alle relevanten Akteure regional eng zusammenarbeiten. 

Darum geht es bei OloV: 

  • Regionale Netzwerke stärken: Schulen, Kammern, Unternehmen, Jugendhilfe, Arbeitsagentur u. a. arbeiten abgestimmt zusammen. 

  • Übergänge verbessern: Schüler:innen erhalten passgenaue Unterstützung beim Weg in Ausbildung oder weiterführende Bildung. 

  • Angebote sichtbar machen: OloV schafft Transparenz und verhindert Doppelstrukturen. 

  • Lokal umgesetzt: Die Strategie läuft in allen 28 hessischen Regionen, jeweils regional angepasst. 

  • Gemeinsame Verantwortung: Der Erfolg beruht auf Kooperation – nicht auf Einzelkämpfern. 

Wie profitieren Schulen von OloV?

OloV unterstützt Schulen dabei, Berufsorientierung verlässlich, modern und gut vernetzt umzusetzen. Für Lehrkräfte bringt das spürbare Vorteile. 

Diese Vorteile haben Schulen durch OloV: 

  • Klare Strukturen: OloV definiert Qualitätsstandards, die Schulen Orientierung bei der BO-Entwicklung geben. 

  • Starke Vernetzung: Lehrkräfte profitieren von gut angebundenen Kontakten zu Unternehmen, Kammern, BA und Jugendhilfe. 

  • Gleiche Chancen für alle: Praktika, Kompetenzfeststellungen oder die Berufswahlapp werden flächendeckend abgestimmt eingesetzt. 

  • Entlastung für Lehrkräfte: APBO und OloV-Akteure unterstützen – niemand muss die BO allein stemmen. 

  • Bessere Übersicht: OloV bündelt regionale Angebote, sodass Schulen schneller passende Unterstützung finden. 

  • Bedarfsgerechte Umsetzung: Unterschiedliche Schulformen (Haupt-, Real-, integrierte Schulen) werden berücksichtigt. 

Quelle: 

OloV – Die hessenweite Strategie „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“. Weiter Informationen finden Sie auf https://www.olov-hessen.de/index.html 

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