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Loslassen lohnt sich: Eine Mutter erzählt vom Au-Pair-Erlebnis

Interview von Susanne von Einstieg mit Catharina 

Nach dem Abitur stehen viele junge Menschen an einem Wendepunkt: direkt ins Studium starten, in die Ausbildung oder erst einmal hinaus in die Welt? Für Catharinas Tochter Paula war die Antwort klar, sie wollte nach Australien. Ein halbes Jahr als Au-Pair in einer Gastfamilie leben, Kinder betreuen, Land und Leute kennenlernen. 

Auch für Catharina wurde es ein großes Abenteuer und eine echte Übung im Loslassen. Im Gespräch mit Susanne erzählt sie von den Vorbereitungen, den Herausforderungen, den besonderen Momenten und warum sie heute froh ist, dass Paula diesen Schritt gewagt hat. 

Einstieg: Catharina, wie kam Paula überhaupt auf die Idee, als Au-Pair nach Australien zu gehen? 
Catharina: Der Wunsch war schon länger da. Paula wollte sich nach dem Abi unbedingt eine Auszeit nehmen und etwas ganz Neues erleben, bevor sie mit dem Studium beginnt. Australien stand schon lange ganz oben auf ihrer Liste. Als Au-Pair konnte sie ihre Liebe zu Kindern mit dem Leben in einer Familie verbinden – und war viel näher dran, als wenn sie nur durchs Land gereist wäre. 

Einstieg: Erinnerst du dich noch an deine erste Reaktion, als sie dir von ihrem Plan erzählt hat? 
Catharina: Ich war hin- und hergerissen. Stolz, weil ich sofort gespürt habe: Das ist genau das Richtige für sie. Gleichzeitig hatte ich einen Kloß im Hals. Ein halbes Jahr so weit weg, das war auch für mich eine Herausforderung. Trotzdem habe ich mich gefreut, dass sie den Mut hatte, ihren Traum zu verwirklichen. 

Einstieg: Wie lief die Vorbereitungsphase? 
Catharina: Die war ziemlich intensiv. Über eine Agentur haben wir die passende Gastfamilie gefunden, dazu kamen Visa, Versicherungen, Impfungen und der Flug. Eine lange To-do-Liste!  Ich habe Paula unterstützt, aber sie hat vieles selbst organisiert. Das war mir wichtig – sie sollte spüren: Das ist mein Projekt. Rückblickend war das schon der erste Schritt in ihre Selbstständigkeit. 

Einstieg: Wie hat sie sich in Australien eingelebt? 
Catharina: Überraschend schnell. Den ersten großen Abschiedsschmerz gab es noch zu Hause und natürlich am Flughafen. Aber sobald sie im Flugzeug saß und Kontakt zu anderen Au-Pairs bekam, wurde es leichter. Sehr hilfreich war die Einführungswoche in Sydney, die von der Agentur organisiert wurde. Dort hat sie viele andere Au-Pairs getroffen, die genau wie sie am Anfang standen. Perfekt, um erst einmal anzukommen, sich zu orientieren und zu akklimatisieren. 

In dieser Woche wurden sie auch bei den ersten organisatorischen Dingen unterstützt: ein australisches Bankkonto eröffnen, eine SIM-Karte kaufen und sich um praktische Fragen kümmern. Gleichzeitig war das Ganze noch ein bisschen wie Urlaub – ideal, um sanft zu starten. Nach dieser Woche sind alle in ihre Gastfamilien geflogen. Und weil alles neu und aufregend war, blieb am Anfang kaum Zeit für Heimweh. 

Einstieg: Was gehörte zu ihren Aufgaben als Au-Pair? 
Catharina: Hauptsächlich die Kinderbetreuung. Morgens hat sie die Kinder fertig gemacht und zur Schule gebracht. Nachmittags standen Spielen, Unternehmungen oder Hausaufgaben auf dem Programm. Abends hat sie beim Essen geholfen und war einfach Teil des Familienlebens. Dazu kamen kleinere Hausarbeiten. Es war also kein Dauerstress, sondern ein ganz normaler Familienalltag – nur eben mit Verantwortung und festen Aufgaben. 

Einstieg: Hatte sie auch Gelegenheit, das Land kennenzulernen? 
Catharina: Ja, absolut. Ihre Arbeitszeiten als Au-Pair waren klar geregelt, und so hatte sie vor allem an den Wochenenden viel freie Zeit für Ausflüge oder Treffen am Abend. Oft war sie mit anderen Au-Pairs unterwegs. Für Paula war das die perfekte Ergänzung zum Alltag in der Gastfamilie. 

Einstieg: Gab es auch Momente, in denen Paula mit Herausforderungen zu kämpfen hatte? 
Catharina: Ja, die gab es. Paula hatte Probleme mit ihrer ersten Gastfamilie. Es kam zu Konflikten und sie fühlte sich irgendwann nicht mehr wohl. Zum Glück besteht in solchen Fällen die Möglichkeit, die Familie zu wechseln. Da war es beruhigend, dass sie einen festen Ansprechpartner bei der Agentur hatte. Dort wurde sie ernst genommen und unterstützt, und so konnte ziemlich schnell eine neue Familie gefunden werden. Dieser Wechsel war eine riesige Erleichterung. 

Einstieg: Wie hat sie in dieser schwierigen Zeit Halt gefunden? 
Catharina: Vor allem durch das Netzwerk der anderen Au Pairs. Über WhatsApp-Gruppen konnte sie Kontakte knüpfen und sich austauschen. So war sie nie allein und hatte immer jemanden an ihrer Seite. Dieses Miteinander hat ihr sehr geholfen, die schwierige Phase in der ersten Gastfamilie durchzustehen, bis der Wechsel geklappt hat. 

Einstieg: Was würdest du sagen, hat Paula am meisten aus dieser Zeit mitgenommen? 
Catharina: Auf jeden Fall ganz viel Selbsterfahrung! Sie ist in Australien gewachsen. Früher hatte sie öfter Zweifel und sich gefragt „Oh Gott, schaffe ich das überhaupt?“. Manchmal fehlte ihr einfach das Selbstbewusstsein. Durch ihre Zeit als Au-Pair hat sie genau das gelernt. 

Gerade die schwierige Phase mit dem Familienwechsel hat sie stark gemacht. Sie musste sich selbst durchkämpfen, eine neue Familie finden, Verantwortung übernehmen – und sie hat es geschafft. Das hat ihr Selbstvertrauen enorm gestärkt. Aber auch im Umgang mit anderen hat sie viel gelernt. Sie hat dort Freundschaften geschlossen, die bis heute halten. Ihre beste Freundin lebt in Frankreich, die beiden haben sich als Au-Pairs kennengelernt und sind seitdem unzertrennlich. Von diesen Erfahrungen und Beziehungen profitieren sie noch lange. 

Einstieg: Und wie war es für dich, Paula ein halbes Jahr so weit weg zu wissen? 
Catharina: Es war eine Achterbahnfahrt. Ich habe sie vermisst, manchmal hatte ich Sorgen, ob alles klappt. Gleichzeitig habe ich gemerkt: Das Loslassen tut uns beiden gut. Wir hatten aber auch eine klare Vereinbarung, die mir Sicherheit gegeben hat. Paula hat sich immer gemeldet, wenn sie unterwegs war oder angekommen ist. Und mit ihrem Einverständnis durften wir sie auch tracken, so wussten wir im Notfall, wo sie ist. Das hat mir Sicherheit gegeben.  

Einstieg: Hat sich etwas in eurer Mutter-Tochter-Beziehung durch die Zeit verändert? 
Catharina: Ja, sie ist auf jeden Fall enger geworden. Ich habe ihr den Raum gegeben, diesen Schritt zu gehen, und sie hat gespürt, dass ich ihr vertraue. Gleichzeitig wusste sie, dass ich trotz der Distanz immer für sie da bin. Sie konnte mich Tag und Nacht anrufen – auch wenn es wegen der Zeitverschiebung manchmal etwas knifflig war. Aber es hat immer funktioniert. Diese Mischung aus Loslassen und Dasein hat uns noch einmal auf eine neue Ebene gebracht. 

Einstieg: Welchen Rat würdest du anderen Eltern geben, deren Kinder ins Ausland gehen wollen? 
Catharina: Traut euch, eure Kinder ziehen zu lassen. Natürlich ist es nicht leicht, sie für so lange Zeit so weit weg zu wissen. Aber genau dieser Schritt ist unglaublich wertvoll – für die Kinder und auch für uns Eltern. Unterstützt sie bei der Vorbereitung, hört zu, gebt Rückhalt. Und lasst sie gleichzeitig so viel wie möglich selbst machen. Dieses Vertrauen spüren sie, und es macht sie stark. Paula ist mit so viel Selbstbewusstsein zurückgekommen. Ich sehe heute, dass das Loslassen sich gelohnt hat – und ich würde jedem Elternteil raten, seinem Kind diese Erfahrung zu ermöglichen. 

Wenn dein Kind auch über ein Au Pair-Abenteuer nachdenkt, findest du hier weitere wichtige Infos: Zum Au Pair-Guide 

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