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„Lass ihn erstmal anfangen“ – Ein Vater über Berufsorientierung

Interview von Susanne von Einstieg mit Konstantin

Wie viel Unterstützung ist richtig? Und wann wird gute Absicht zu viel? Konstantin Muffert (56) ist Vater zweier Söhne – einer davon hat gerade das Abitur in der Tasche. Im Interview erzählt er ehrlich, wie schwer es ihm fiel, loszulassen, welche Gespräche geholfen haben – und warum es manchmal besser ist, anderen den entscheidenden Impuls zu überlassen. 

Einstieg: Konstantin – du bist Vater von zwei Söhnen, richtig? 
Konstantin: Genau, der Neunzehnjährige hat gerade Abitur gemacht und der Siebzehnjährige kommt in die 12. Klasse. 

Einstieg: Heißt, der Jüngere macht in zwei Jahren Abitur? 
Konstantin: Mal schauen, wir Eltern finden das ist kein Muss. Es gibt auch genügend andere Möglichkeiten.  

Einstieg: Wie lief es bei deinem Ältesten mit dem Abschluss? 
Konstantin: Zum Glück problemlos. Er hatte mit seinem besten Kumpel eine Art Challenge: Wer macht das bessere Abi? Die beiden lagen in ihrer Leistung relativ dicht beieinander und haben sich so gegenseitig gepusht.  

Einstieg: Und was soll er deiner Meinung nach jetzt machen? 
Konstantin: Mit 14 hat er angefangen, eine Kinder-Fußballmannschaft zu trainieren – das macht ihm Spaß und daran ist er unglaublich gewachsen. Ich könnte mir ein Sportmanagement-Studium für ihn gut vorstellen. Aber er hat irgendwie Bedenken, sich festzulegen. Mein Sohn denkt sehr linear, ganz nach dem Motto „Wenn ich jetzt ins Sportmanagement gehe, dann komme ich da womöglich nicht mehr raus“. Außerdem schätzt er seine Chancen, es ganz nach oben zu schaffen und ausreichend Geld zu verdienen, als gering ein. 

Einstieg: Wie findest du seine Einstellung? 
Konstantin: Ich finde, er sollte erstmal herauszufinden, ob es das ist, was er möchte. Das Studienfach oder den Beruf wechseln, kann er ja immer noch. Ich sage meinen Kindern immer: Das Wichtigste ist, dass ihr etwas findet, wofür euer Herz schlägt. Denn, wenn du etwas mit voller Leidenschaft machst, dann bist du besser als der Durchschnitt und wirst in deinem Bereich auch sicherlich genügend verdienen, um davon gut leben zu können.  

Einstieg: Wie könnte er es denn herausfinden? 
Konstantin: Ich kenne jemanden, der Dozent für Sportmanagement ist. Ihn könnte er ja mal anrufen und fragen, was er empfiehlt. Aber das will er derzeit nicht.   

Einstieg: Hast du als Vater noch eine Idee, was zu ihm passen könnte? 
Konstantin: Er interessiert sich sehr für Politik. Ich habe ihm vorgeschlagen, das Fach zu studieren. Oder er erweitert seinen Horizont und geht erstmal eine Weile ganz woanders hin, macht Interrail oder sowas – aber auch darauf hatte er erstmal keine Lust.  

Einstieg: Klingt so, als sei es schwierig, gemeinsam über Zukunftspläne zu sprechen. 
Konstantin: Das ist stimmungsabhängig. Aber ich glaube, ich bin meinem Sohn ziemlich auf den Keks gegangen und habe zu oft gesagt: Ruf doch mal den an, frag doch mal da nach, hol dir Infos. Das war wohl zu viel. Mein Sohn hatte das Gefühl, ich will ihn in eine bestimmte Richtung lenken. Dabei wollte ich ihn nur unterstützen. Meine Frau hat da den besseren Zugang zu ihm. 

Einstieg: Und was hat dein Sohn vor? 
Konstantin: Er hat sich in Lüneburg den Studiengang Politikwissenschaften ausgesucht. Die haben einen ziemlich guten Ruf und bieten auch interessante Nebenstudiengänge an. Das klingt toll, trotzdem sagt mein Sohn immer noch nicht: Das ist es! 

Einstieg: Bist du deswegen gestresst oder eher entspannt? 
Konstantin: Ich bin entspannt. Vieles hatte mein Sohn für sich schon beschlossen. Er will nicht ins Ausland, lieber in unserer Nähe bleiben und ab Herbst an die Uni. Ich sage mir: Lass ihn jetzt erst mal anfangen und dann sehen wir weiter.  

Einstieg: Gab es in der Schule Angebote in Sachen Berufswahl? 
Konstantin: Sie waren zumindest mal auf einer Berufswahlmesse. Ich finde, Lehrkräfte und Eltern sollten besser miteinander kooperieren. Wir müssen den Kindern klarmachen: Es kann Spaß machen, sich mit den vielen Möglichkeiten zu beschäftigen. Meiner Meinung nach müsste die Schwere aus dem Thema genommen und Berufswahl als spannende Chance verkauft werden. 

Einstieg: Welchen Tipp würdest du anderen Eltern mitgeben? 
Konstantin: Alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste. Und natürlich möchte man am liebsten auch selbst derjenige sein, der bei der Berufswahl hilft und den entscheidenden Impuls gibt. Man fühlt sich zerrissen, wenn das Kind den eigenen Rat nicht annimmt. Aber auch Eltern sollten sich nicht so unter Druck setzen. Manchmal ist es einfach sinnvoll, wenn jemand Außenstehendes hilft – gute Nachbarn oder eigene Freunde haben oft einen anderen Zugang. Letztendlich ist es egal, von wem der entscheidende Impuls kommt.  

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