„Loslassen lohnt sich“
Über das Au Pair-Abenteuer ihrer Tochter
Artikel von Susanne
Für meine Tochter Maja war schon lange klar: Nach dem Abi will ich reisen – und zwar richtig weit weg! Europa? Kam gar nicht in Frage. Mindestens ein halbes Jahr sollte es sein, und natürlich zusammen mit ihrer besten Freundin. Sonst lohnt sich das ja nicht, fand sie.
Der Plan stand schon in der 11. Klasse – nach der Pandemie irgendwie auch logisch. Nicht nur Maja, sondern fast alle in ihrem Freundeskreis wollten ins Ausland: Studium oder Ausbildung können noch ein Jahr warten.
Als meine Tochter ihre Entscheidung traf, schien das alles noch weit weg. Schließlich standen erstmal die Oberstufe und das Abitur an. Aber das erste Gefühl der Traurigkeit war sofort da:
Mein Gedankenkarussell drehte sich sofort. Ich wusste: Im Abschiednehmen war ich noch nie gut – und dann gleich für so lange Zeit. Mein Mann dagegen war völlig entspannt.
Erstmal hielt sich meine Gluckerei noch in Grenzen – es gab ja genug anderes, das uns beschäftigte: Abi-Lernphase und Abifeier zum Beispiel. Doch die Zeit raste.
Neben dem Abi-Stress wurde fleißig das Gap Year geplant: Ziel sollte Australien sein, eine Mischung aus Reisen und Arbeiten. Flug buchen, erste Unterkünfte sichern, Visum beantragen, es gab einiges zu tun. Wir Eltern halfen hier und da, vor allem bei Fristen und Formularen, aber im Großen und Ganzen organisierten Maja und ihre Freundin alles selbst. Während ich am liebsten den kompletten Reiseplan, den ersten Job und jede Unterkunft fix gemacht hätte, reichte es den beiden, nur den ersten Stopp festzulegen: Vier Wochen Melbourne – Hostel – Schlafsaal. Für mich eine kleine Herausforderung, aber ich hielt mich mit klugen Ratschlägen zurück.
Und dann kam er doch schneller als gedacht: der Abreisetag. Die letzten Wochen davor waren gefüllt mit Abschiedsfeiern, fast alle Freunde starteten im Spätsommer ins Ausland. Gepackt wurde bis zuletzt: Der Rucksack durfte nicht zu schwer, es musste aber trotzdem alles drin sein. Mein Kloß im Hals wuchs, Majas Vorfreude auch. Ich versuchte, mich zusammenzureißen und nicht in Traurigkeit zu versinken.
Am Bahnhof standen all ihre Freundinnen, viele schon in Tränen aufgelöst. Im Zug nach Frankfurt konnte ich kurz durchatmen: Freundinnen, Schwester und Vater blieben in Köln, ich fuhr mit der Mutter von Majas Freundin weiter. Am Flughafen ging dann alles viel zu schnell. Eine letzte Umarmung und schon waren sie hinter der Sicherheitskontrolle. Auf der Rückfahrt nach Köln saßen wir Mütter still nebeneinander: traurig, aufgewühlt, aber auch erleichtert, dass bisher alles geklappt hatte.
Zuhause waren der freie Platz beim Abendbrot und das leere Zimmer ein Stich ins Herz. Aber ich hatte mir vorgenommen, mich für meine Tochter zu freuen, mich abzulenken und daran zu denken, dass andere Mütter das auch geschafft haben.
Zum Glück war im Büro viel los, und bis zum erlösenden Anruf „Wir sind gut gelandet!“ verging die Zeit schnell. Von da an lief unser Familienchat heiß. Wegen der Zeitverschiebung schrieben wir morgens direkt nach dem Aufwachen. Es gab Videocalls, Fotos auf Snapchat – und wir hatten vereinbart, den Standort zu teilen. Immer zu wissen, wo sie gerade ist, beruhigte mich.
Sechs Monate später war es endlich so weit: Wir hatten ein Wiedersehen in Thailand geplant. Beide Familien reisten an, die Mädels kamen aus Sydney. Am Flughafen in Bangkok war ich überwältigt: Trotz des ständigen Kontakts hatte ich nicht erwartet, wie erwachsen Maja geworden war. So viele Abenteuer, so viel Selbstständigkeit – sie hatten einfach eine unvergessliche Zeit.
Es folgten zwei Wochen Familienurlaub in Thailand – wunderschön, aber viel zu kurz. Und dann hieß es wieder Abschied nehmen. Dieses Mal fiel es mir leichter: Nur noch sechs Wochen, dann würde sie endgültig nach Hause kommen.
Und tatsächlich, als sie im Frühjahr wieder vor mir stand, war ich einfach nur froh, sie wieder bei uns zu haben. Lange wird sie allerdings nicht bleiben, denn bald startet ihr Studium – der nächste große Schritt ins Erwachsenenleben.
Ich sehe dem (einigermaßen) gelassen entgegen. Schließlich habe ich im Loslassen ja schon ein bisschen Übung.
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